Schmerztherapie Püttlingen

Schmerztherapie Püttlingen

Schwerpunkte

Neuromodulation

Unter dem Begriff „Neuromodulation“ werden nicht zerstörende Behandlungsmethoden zusammengefasst, die direkt am Nerven oder am zentralen Schmerzleitungssystem in Gehirn und Rückenmark angreifen und so die Mechanismen der Schmerzübertragung vor Ort beeinflussen können. 


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Mit Hilfe dieser Verfahren lässt sich in der Rückenmarksumgebung die Schmerzleitung verändern: Entweder dient ein neu gesetzter Reiz dazu, Falschmeldungen im Nervensystem zu überspielen, oder direkt eingeführte Medikamente an Rückmarkstrukturen verbessern erheblich die Wirkung des Arzneimittels.
Chronische Schmerzen führen langfristig und nachhaltig zu Veränderungen des gesamten schmerzleitenden Systems, d.h. sowohl am Nerven, in den Schmerzbahnen im Rückenmark als auch im Gehirn. Diese Bereiche, die zunächst nichts mit der ursprünglichen Schmerzübertragung zu tun hatten, werden von der Schmerzwahrnehmung mit beansprucht, so dass sich die Schmerzempfindung manchmal von einer Körperpartie auf eine andere ausbreitet oder z.B. bei Berührung oder Wärme als schmerzhaft empfunden werden.
Sowohl die rückenmarksnahe Medikamentengabe über eine Schmerzpumpe als auch die Rückenmarksnahe Stimulation sind eine letztmögliche Alternative in der Schmerzbehandlung und kommen bei bestimmten Schmerzarten sinnvoll zur Anwendung. Diese Verfahren kommen in der Regel erst dann zum Einsatz, wenn alle anderen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind. Beide Verfahren müssen zunächst im Rahmen einer Testphase mit einem provisorischen System auf ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit im Einzelfall überprüft werden. Diese sehr kostenintensiven Behandlungsverfahren bedürfen eines genauen ärztlichen Befundes und vorheriger Austestung am Patienten. Andererseits bieten wir auch Verfahren an, die am Nerven unmittelbar schmerzfrei durch die Haut zu einer Veränderung des Schmerzes führen.

Multifunktionselektrode

Mit dieser Multifunktionselektrode können wir im Wirbelkanal oder in Rückenmarksnähe verschiedene Medikamente verabreichen und gleichzeitig die Rückenmarkstimulation austesten. In besonderen Fällen lassen sich durch diesen Katheter auch Nervenwurzeln durch Radiofrequenztherapie so beeinflussen, dass wir bei bestimmten Bandscheibenvorwölbungen oder Vorfällen eine mehr als 50%ige Schmerzreduktion erreichen.


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Rückenmarkstimulation (SCS)

Bei der Rückenmarkstimulation platzieren wir in einem ambulanten, operativen Eingriff mit örtlicher Betäubung, einen dünnen Kunststoffschlauch (der am Ende vier Metallelektroden enthält), vor die Haut, die das Rückenmark umgibt. Die Elektroden werden an ein kleines, am Gürtel zu tragendes Gerät angeschlossen. Durch Anschalten des Gerätes empfindet der Patient in dem befallenen Nervenareal dann wie zu erwarten keinerlei Schmerzen mehr, sondern ein angenehmes Kribbelgefühl. Nachdem für unsere Patienten eindeutig nachvollziehbar ist, dass sich die Beschwerden über das Einschalten des Gerätes quasi abschalten lassen, implantieren wir in einem zweiten operativen Eingriff (mit örtlicher Betäubung) einen kleinen Stimulator (ähnlich eines Herzschrittmachers) unter die Bauchhaut. Unsere Patienten können diesen Stimulator über eine Fernsteuerung selbst bedient, also jederzeit an- und abschalten. Damit ist es unseren Patienten möglich, ihr Leben annähernd schmerzfrei weiter zu führen.


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Spinalganglienstimulation

Die Spinalganglienstimulation ist ein neues Verfahren der Nervenstimulation, mit dessen Hilfe sich chronische Schmerzen lindern lassen. Ein modernes diagnostisches Verfahren ermöglicht zunächst exakt den Nerven ausfindig zu machen, der nach einem operativen Eingriff oder Unfall verletzt ist und dauerhaft massive Schmerzsignale aussendet. Ist der Nerv identifiziert, platzieren wir eine neuartige Elektrode exakt im Spinalganglion. Sie sendet ein elektrisches Signal aus, das die Schmerzweiterleitung reduziert oder ganz verhindert, bevor es über das Rückenmark an das Gehirn geleitet wird. Bereits behandelte Patienten geben eine Schmerzreduktion von durchschnittlich 78% an.


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Die Suche nach dem den Schmerz verursachenden Nerven
Bisher war die größte Herausforderung in der Neurostimulation, den betroffenen Nerven und die den Schmerz weiterleitenden Nervenbahnen genau zu identifizieren. Diese Nerven sind für den chronischen Schmerz des Patienten ursächlich. Damit genau dieser Nerv gefunden wird, haben wir spezielle diagnostische Standards entwickelt. Wir betäuben nacheinander infrage kommende Nerven, die ursächlich für die Weiterleitung des Schmerzsignals vom verletzten Nerv in das Gehirn sind. Wurde der richtige Nerv gefunden, ist der Patient für eine kurze Zeit nahezu schmerzfrei. Mit Hilfe der Spinalganglienstimulation hat der Patient jetzt gute Chancen, dauerhaft seine chronischen Schmerzen deutlich zu reduzieren.

Einsatz des Neurostimulators
Mit Hilfe einer kleinen Operation platzieren wir eine dünne Elektrode an der Nervenwurzel der Wirbelsäule. Der Axium™-Neurostimulator ist ein Rückenmarkstimulator, der auf eine Abzweigung des Rückenmarks abzielt, die auch als Spinalganglion bezeichnet wird. Neurowissenschaftler wissen schon seit langem, dass das Spinalganglion bei der Schmerzverarbeitung eine zentrale Rolle spielt. Bisher war es technisch jedoch nicht möglich, diese Position mit einer Elektrode zu erreichen. Die neue Methode schafft Abhilfe: Das Spinalganglion funktioniert dabei wie eine Ampel und kontrolliert, wann Empfindungen zum Rückenmark gelangen. Durch die Stimulation des Spinalganglions kann die Ampel auf Rot geschaltet werden, so dass Schmerzsignale gestoppt werden und nicht zum Gehirn gelangen. Diese Stimulation bewirkt ein angenehmes Kribbeln, das sich wie eine leichte Massage anfühlt. Dieses Gefühl wird als „Parästhesie“ bezeichnet. Unsere Patienten können die Parästhesie selbst so steuern, dass dieses Kribbeln leicht oder gar nicht zu spüren ist, und zwar in dem Bereich in dem sie sonst den Schmerz empfinden.

Implantation des „Schmerzschrittmachers“ schafft dauerhafte Linderung
Nach der Implantation der Elektrode testet der Patient in den folgenden Tagen aus, ob die Elektrostimulation den erwünschten Effekt auf die Schmerzen hat. Die Stromversorgung in der Testphase übernimmt eine kleine externe Batterie. Nach einer einwöchigen Testphase entscheidet der Patient zusammen mit seinem behandelnden Arzt über die Implantation des sogenannten Schmerzschrittmachers für die dauerhafte Stromversorgung. Dieses kleine Gerät ähnelt einem Herzschrittmacher. Das Gerät erzeugt sanfte elektrische Impulse, die in das Spinalganglion gelangen.

Krankenkassen übernehmen die Kosten
In Frage kommt diese neue Therapieform, deren Kosten bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen übernommen wird, für eine Vielzahl von Patienten mit Nervenschmerzen. Äußerst erfolgreich behandelt haben wir Patienten mit chronischen Leistenschmerzen nach Leistenbruchoperationen oder anderen operativen Eingriffen. Auch bei Nervenverletzungen in Armen und Beinen oder bei Morbus Sudeck, nach Unfällen, komplexen regionalem Schmerzsyndrom oder Formen der Neuralgie zeigen sich große Vorteile gegenüber bestehenden Behandlungsverfahren.

Medikamentenpumpe

Viele leiden unter Schmerzen im Gesäß oder in den Extremitäten. Nach einer umfassenden Schmerzdiagnostik empfiehlt sich in einigen Fällen der Einsatz einer Medikamentenpumpe. Bei einem ambulanten, operativen Eingriff implantieren wir dabei unter die Haut eine Medikamentenpumpe, die über einen dünnen Kunststoffschlauch eine konstante Menge eines sehr niedrig dosierten Morphin-Präparates an die Rückenmarksumgebung ständig abgibt. Mit dieser Behandlung ist oftmals eine mehr als 80%ige Schmerzbefreiung möglich. In unserer Ambulanz wird die unter der Haut liegende Medikamentenpumpe über einen Nadeleinstich durch die Haut problemlos nachgefüllt.


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Radiofrequenztherapie

In einem ersten Schritt lokalisieren wir den Ausgangsort der Schmerzen um danach an gleicher Stelle die eigentliche therapeutische Behandlung durchzuführen. Da jedes lokal gegebene Medikament (örtliches Betäubungsmittel, Kortison) oftmals nur eine kurzfristige Wirkung besitzt, wurde bereits vor über 30 Jahren das Verfahren der Radiofrequenztherapie entwickelt. Dabei wird eine sehr dünne Radiofrequenz-Kanüle am Nervenast platziert. Über die Nadelspitze wird dieser Nerv einem elektrischen Feld ausgesetzt und damit die

Schmerzübertragung langfristig unterbrochen. Geeignet ist dieses Verfahren bei chronischen, von den kleinen Wirbelgelenken, den Bandscheiben oder durch Nervenreizungen hervorgerufene Schmerzen, Gesichtsschmerzen (z. B. Trigeminusneuralgie) und der Herpes-Zoster-Neuralgie.



Transkutan gepulste Radiofrequenztherapie (TPRF)

Die transkutan gepulste Radiofrequenztherapie ist ein in Deutschland weitestgehend unbekanntes Verfahren, das wir seit 2010 unseren Patienten anbieten. Dieses einzigartige Verfahren benötigt modifizierte Radiofrequenz-Generatoren, die mittels hochfrequenter Ströme starke elektromagnetische Felder über Körperpartien erzeugen, ohne dabei die Haut zu verletzen. Damit können wir die Neuromodulation ohne Schaden für den Patienten völlig schmerzfrei anwenden. Gerade beim „Tennisarm“ und bei anderen Knochenhautreizungen ergibt sich bereits nach einmaliger Anwendung und spezieller Krankengymnastik eine vollständige Schmerzfreiheit.


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Transkutane Elektrische Nervenstimulation / Trankutane Nervenblockade

Die Transkutane Elektrische Nerven - Stimulation (TENS) ist eine seit Jahrzehnten etablierte Behandlungsmethode. Wir setzen sie als unterstützende Therapie bei chronischen Schmerzen ein. Mit kleinen batteriebetriebenen Taschengeräten stimulieren und modulieren wir mittels Klebeelektroden auf den schmerzhaften Hautpartien die körpereigenen, schmerzunterdrückenden Systeme des Nervensystems. Die betroffenen Körperpartien werden besser durchblutet, die Muskulatur entspannt.


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Mit der Transkutanen Nervenblockade (TNB) können wir Nerven durch die Haut in ihrer Reiz- und Schmerzleitung vorübergehend unterbrechen. Die Behandlungsdauer beträgt etwa 30 Minuten und ist, je nach Krankheitsbild, mehrmals pro Tag notwendig. In einer kurzen Einführung legen wir die Positionen der Klebeelektroden und die Stimulationsparameter fest. Anschließend können unsere Patienten die Behandlung selbst zu Hause weiterführen.

Einsatz bei folgenden Befunden:
  • Muskelverspannungen
  • Neuralgien und Neuropathien
  • Schmerzhafte Durchblutungsstörungen
  • Gelenkschmerzen
  • Phantomschmerzen nach Amputationen

Elektrische Muskelstimulation (EMS)

Durch Schmerzen und Nervenverletzungen werden Muskeln über längere Zeit hinweg geschont oder nicht mehr benutzt. Mit TENS-ähnlichen Geräten lassen sich diese Muskelgruppen wieder reizen und stimulieren. Damit können wir das Körperbewusstsein nochmals auf die Muskelgruppe lenken, die es durch Anspannung weiter zu trainieren gilt. Bei einer vorübergehender Schwäche oder Lähmung lässt sich somit eine schwerwiegende Atrophie des Muskels unter Umständen verhindern. Nicht geeignet sind diese Geräte für den Muskelaufbau im Sinne eines Krafttrainings.


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Dr. Gerhard Deynet
Dr. Gerhard Deynet

Sekretariat:
Tel.: 06898 / 55-2047
Fax: 06898 / 55-2016
Kliniksuche mit dem Körperkompass
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